| Interview mit Manfred |
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| Geschrieben von Yasmin | |
| Samstag, 8. September 2007 | |
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Spankingzentrale: Wie bist Du zum BDSM gekommen? Manfred: (lacht) Dazu "kommt" man nicht. Das steckt in einem oder eben auch nicht. Es ist ja nicht so, dass man sich sagt "och, heute probiere ich mal SM". Spankingzentrale: Und wie ist Dir bewusstgeworden, des es in Dir steckt? Manfred: Das kann ich nicht genau sagen, es war ein jahrzehntelanger Prozess. Es gab allerdings ein Erlebnis, an das ich mich sehr genau erinnere. Ich war so etwa 10 Jahre alt und Im Fernsehen lief ein Film, in dem ein Junge in meinem Alter mit einem Stock verhauen worden ist. Das hatte mich damals ungemein fasziniert und ich habe mich lange gefragt, wie es sich in dieser Situation wohl anfühlen mag. Es war für mich eine sehr paradoxe Situation, denn einerseits lehnte (und lehne) ich Schläge als Erziehungsinstrument grundsätzlich ab und ich wollte überdies selbst natürlich auch nicht geschlagen werden. Gleichzeitig nahm mich die Faszination der Situation vollständig gefangen und ich malte mir in unterschiedlichsten Varianten aus, wie es wohl wäre, ich sei eben jener Junge. Ich konnte es damals einfach nicht einsortieren. Ich hatte absolut niemanden, mit dem ich über derartige Gedanken und Fantasien hätte reden können. Und das Internet gab es damals noch nicht. Spankingzentrale: Du hättest Dich als 10-jähriger im Internet über BDSM informiert? Manfred: Natürlich! Wenn ich damals gewusst hätte, dass das was mein Kopfkino so anheizt, mit "SM" bezeichnet wird, hätte ich garantiert danach gegoogelt. Es gibt doch kaum etwas schlimmeres für einen jungen Menschen, wenn ihm etwas im Kopf herumschwirrt und er es nicht einsortieren und verarbeiten kann. Man denkt ja, man sei verrückt! Ich meine, wer will schon geschlagen werden? Einerseits wollte ich es, andererseits auch wieder nicht! Ja, nein, ja, nein! Hätte es zu "meiner Zeit" anonyme Hilfs- oder Beratungsangebote im Internet gegeben - ich hätte sie genutzt. Es hätte mir viel erspart! Spankingzentrale: Was erspart? Manfred: Selbstzweifel, Depressionen, Gefühle der Hilflosigkeit und Einsamkeit. Hätte ich gewusst, dass andere Menschen ähnliche Empfindungen haben - es wäre eine innere Befreiung gewesen! Spankingzentrale: Dann war also dieser Fernsehfilm der Auslöser? Manfred: Für SM? Nein, er hat mich lediglich darauf hingewiesen, dass es in mir ist. SM wird nicht "ausgelöst". Es kann sein, dass sehr viele Jahre vergehen, bis man es entdeckt. Spankingzentrale: Wie ging es weiter? Manfred: Gar nicht. Ich hab dann irgendwann alles verdrängt. Das war für mich der einzige Weg. Später in den 80ern habe ich in der Mailboxszene jemanden kennengelernt, der sich mir gegenüber als Spanker zu erkennen gegeben hat. Spanking ist eine Form des SM, die sich im wesentlichen auf das Hinternhauen fokussiert - es entsprach somit meinem kindlichen Kopfkino. Das hat mich damals ziemlich umgehauen - ich war plötzlich nicht mehr alleine! Wir haben unsere Fantasien ausgetauscht und uns ein paarmal getroffen. Aber wir haben nie zusammen etwas gemacht, es passte nicht, wir waren beide passiv - und außerdem hätte ich mich damals auch gar nicht getraut. Kopfkino ist ja eine Sache, es ausleben eine ganz andere. Unsere Wege trennten sich nach einer Weile. Wieder begann eine Zeit der Verdrängung. Es folgte eine Ehe, die nicht sonderlich glücklich endete - was aber überhaupt nichts mit BDSM zu tun hatte. SM war während dieser Zeit überhaupt kein Thema. Nach der Scheidung fiel ich in ein ziemlich tiefes Loch, bis mir klar wurde, dass ich nicht alleine, sondern frei bin! Frei zu experimentieren und herauszufinden, was es denn nun ist, das schon so lange Jahre in mir schlummert. Und da es das Internet gab kam schnell eins zum anderen. Vieles, was ich zum Thema BDSM fand, hat mich abgeschreckt. Viele Seiten waren so schrecklich düster und wirkten einschüchternd. Aber schließlich traf ich auf ein Forum, welches mir zwar von der Aufmachung und dem Drumherum gar nicht sonderlich gefiel, aber ich sah dort Menschen, die offen über sich und ihre Gefühle berichteten. Ich hatte erst ziemlich lange gezögert, aber dann habe ich den Mut gefasst, selbst dort zu schreiben. Und ich habe es nicht bereut, denn ich habe dort viele Menschen kennengelernt, die ich heute zu meinen Freunden zähle. Spankingzentrale: Wie lebst Du Dein BDSM heute? Manfred: Ich habe das große Glück, eine Partnerin zu haben, die meine Neigungen teilt. Ich denke, das beantwortet die Frage. Spankingzentrale: Wo habt Ihr Euch kennengelernt? Manfred: In besagtem Forum. Ich habe es, wie gesagt, nicht bereut dort geschrieben zu haben. Ich kann nur jedem, der auf Partnersuche ist empfehlen, sich aktiv in Foren und Chats zu beteiligen. Spankingzentrale: Hast Du einen Rat an diejenigen, die ihre SM-Neigung neu entdecken? Manfred: Ja! Habt den Mut, Euch mit Eurer Neigung zu beschäftigen! Geht raus, besucht Treffen oder Stammtische! Ihr werdet feststellen, dass alle anderen, die den SM in sich tragen, genau so "normal" sind wie Ihr. Wer das Glück hat, in Hamburg zu wohnen, der sollte unbedingt mal das Cafe-SittsaM oder die UnSchlagBar besuchen. Beides sind im Grunde ganz normale Kneipen, in denen sich aber vorwiegend SM-Freunde treffen. Es gibt auch Veranstaltungen speziell für Einsteiger, am besten Ihr informiert Euch über die Webseiten http://cafe-sittsam.com und http://un-schlagbar.de. Wer noch nicht soweit ist oder (noch) nicht den Mut hat, einen solchen Ort aufzusuchen, der sollte sich in einem Forum beteiligen. Der virtuelle Dialog kann so manche Hemmschwelle verringern - oder sogar gänzlich abbauen. Spankingzentrale. Wir danken für das Gespräch. |
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| Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 21. September 2010 ) |
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